You are here Aktuelle Seite: Home Verein Michi Peters
Donnerstag, 31 May 2012 23:02

Michi Peters

Michi Peters (#4) Michi Peters (#4)

Michi Peters war bis 2002 Spieler des AFL Teams und Coach im Nachwuchsbereich, bei den Klosterneuburg Mercenaries, die im Jahr 2000 zu den Danube Dragons wurden. Bei einem AFL Spiel der Dragons gegen die St. Pölten Invaders im Juli 2002 brach Michi Peters an der Sideline zusammen. Unmittelbares Eingreifen der Sanitäter und ein rascher Transport ins Krankenhaus via Hubschrauber sollten nicht mehr genug sein und er verstarb an einer Hirnblutung durch ein angeborenes Aneurisma.

Nachfolgend ein paar Zeilen der Originaltexte von damals, die unmittelbar danach und im Eindruck der Ereignisse geschrieben wurden. 


Michael Eschlböck (geschrieben unmittelbar nach dem Spiel, als noch nicht bekannt war, dass Michi Peters nicht überlebt hat)

Lieber Michi, irgendwann während Du von den Notärzte-Teams für den Flug ins AKH vorbereitet und stabilisiert wurdest (das schien eine Ewigkeit zu dauern) sprach ich mit Tino (Anm.: Headcoach der Dragons). Der sah völlig fertig aus und fragte mich als quasi Offiziellen des Verbandes was passiert, wenn die Dragons nun abtreten.

Ich zog ein weiteres gerade schiedsrichterndes Vorstandsmitglied zu Rate. Laut Wettspielordnung ist die Sache klar – ein Abtreten ohne überaus wichtigen Grund – bedeutet Strafverifizierung. Was ist ein so ein wichtiger Grund...? Reicht die Angst um das Leben eines Spielers? Oder ... NEIN. So was passiert nicht!!

Jetzt steht es 13:07 für die Dragons. Ob die Dragons das Spiel gewinnen oder verlieren ist für die Dragons bedeutungslos. Für die Invaders nicht. Für die Blue Devils auch nicht. Beide haben noch intakte Chancen auf die playoffs. Wenn die Dragons abtreten wird starfverifiziert, heisst die Invaders gewinnen und schmeissen die Devils aus dem playoff.

„Ist mir doch wurscht“ zischt Tino.

„Tino, besprich es mit deinem Team“ höre ich mich selber sagen. „Frage die Spieler ob sie weitermachen wollen oder nicht. Egal jetzt mit welchen Konsequenzen“.

Tino bewegt seinen mächtigen Körper in seiner unbeschreiblichen Art, vom Kabinengang wo wir dieses Gespräch führten, hinaus an den Spielfeldrand, wo die Spieler im Nieselregen geknickt herumkauern.

„Huddle“ krächzt Tino. Der gute Mann ist völlig fertig. „Jungs, wir müssen besprechen was wir nun tun. Wir können für Michi im Augenblick nichts tun. Er ist in den Händen der Ärzte, die tun alles was sie können. Wir können nun abtreten, was jeder aber auch jeder verstehen wird, oder wir können weiterspielen. Ich überlasse euch die Entscheidung. Das Team sagt wie es weitergeht“.

Das Schweigen ist nur kurz. Ein Spieler – ich weiss nicht mehr wer es war – ergreift das Wort „Wir spielen weiter. Der Michi würde das auch tun und so wollen!“.

„Ja, genau,...“ stimmen viele andere ein „... wir spielen und gewinnen für den Michi!“ kommt es von irgendwo her“. Eine Art „ Yeah, Yes, Jawohl, genau“ Chor ertönt.

„ Gut.“ Irgendwie habe ich den Eindruck das Tino nun sehr mit gemischten Gefühlen kämpft und er versucht es andersrum: „ Will jemand nicht mehr spielen? Das ist ganz verständlich, ganz klar, wenn einer nicht will – wer mag lieber aufhören?“. Sein Blick schweift durch die Runde. Kein Drache bewegt sich, sagt was. Sekunden der Stille.

„OK“. Tino`s Stimme klingt jetzt fester. Er ist beeindruckt von dieser Einheit. „Let`s go!“.

Ich melde dem Head Referee, mit einem Kloß in der Kehle und Gänsehaut – so beeindruckend war dieses huddle – „die Dragons spielen weiter!“. „Danke“ kommt es leicht zittrig zurück und ich merke dass auch der Head Referee – selber ein Urgestein des Footballs und quasi Jahrzehnte aktiver Spieler - mit seinen Emotionen kämpft.>

Du wirst in den Hubschrauber gebracht. Die Turbine läuft an, der Rotor beginnt sich immer schneller zu drehen und dieses „Flapp, flapp, flapp“ Geräusch zu machen. Er hebt ab. Der Pilot salutiert oder so was ähnliches (hat wohl zuviel Top-Gun gesehen). Der Hubschrauber steigt, dreht sich und nimmt Fahrt Richtung AKH auf. Alle Blicke folgen ihm. Stille.

Wiesi ist tapfer, er ist der Platzsprecher. Er durchbricht die Stille und auch ihm merkt man an, dass es ihm gar nicht leiwand geht. „ Wir wünschen Michi Peters alles Gute und dass er bald wieder gesund zu uns zurückkehrt...“

„Das Spiel geht weiter...“

Alle versuchen sich halbwegs zu konzentrieren. Wo spielt jetzt wer weiter.... (das Spiel war nun doch so 45 bis 60 Minuten unterbrochen).

Fest steht, dass es noch 2 min. bis zur Pause sind. Pause?

Ich kann mich nicht erinnern, aber ich denke Essentielles ist den beiden letzten Minuten der ersten Halbzeit nicht mehr passiert. 13:07 ist also auch der Pausenstand.

Die Halbzeitpause wird auch dementsprechend verkürzt. Nach kurzer Zeit geht es mit dem dritten Viertel weiter. Wie in Trance verfolge ich nun das Spiel, kriege irgendwie nicht viel mit. Nicht nur mir geht es so. Irgendwann rätselt die Gruppe in der ich stehe wie denn nun der Spielstand ist – 13:07 für die Dragons?

Wir müssen Vikings fragen - „13:13“ ist die Antwort. Viele Zuschauer haben das gar nicht mitgekriegt. Aufs Feld haben wir wohl alle geschaut – aber gesehen haben wir nur Dich – und gedacht wie es Dir wohl gehen mag...

Langsam kehrt die Konzentrationsfähigkeit wieder etwas zurück. 13:13. Die Dragons müssen das gewinnen – für Michi und für sich selber. Aber die Spieler der Dragons sind genauso unkonzentriert wie die meisten Zuseher. Auch sie sind mit ihren Gedanken mehr bei Dir als beim Spiel.

Die Invaders müssen siegen um in die playoffs zu kommen. Sie nützen die Konzentrationsschwäche der Dragons – gehen zum ersten Mal in Führung: 20:13.

Irgendwie ist das auch das Ende des dritten Viertels. Die Seiten werden gewechselt.

Die Dragons finden langsam wieder ins Spiel zurück. Robert Marzall-Fernandez (was für ein wohlklingender Name) ackert wie ein Pferd. Macht auch das TD zum 20:19.

Uff. Extrapoint kick und wir haben Gleichstand. Was ist jetzt los? Tino hat ein Time Out genommen. Bespricht sich mit der Offense. Gehen die auf 2 Punkte?

„Jumbo Package“ oder irgend so was in der Art schallt Wiesi mit seiner wiedergefunden Stimme über den Platz.

Und – das klappt! Niki Ludwig – Mann hat der einen Bauch – tankt sich in die Endzone durch. 21:20 für die Dragons. Yeah!!

Noch so 8,30 Min. zu spielen. Hmm.

Das Spiel wogt jetzt hin und her. Nichts Essentielles passiert. „Weiss man schon was wie es dem Michi geht?“. „Nein, ist wohl auch noch zu kurz. Jetzt haben sie ihn gerade erst mal ins Krankenhaus geflogen, jetzt werden sie ihn wohl gründlich untersuchen, das dauert vermutlich“.

2 Minutes warning! He. Könnte sein dass die Dragons es schaffen. Haben nach verständlichem Einbruch zurückgefightet, mit einem gutsy call die knappe Führung geholt und dann über die Distanz gebracht.

- Doch was ist das???? Die QB sneaks von Regualos können nun ein ums andere mal nicht gestoppt werden. 45 yds in 3 Spielzügen. Jetzt stehen die Invaders an der 1 yd line der Dragons. Schluck. TD für die Invaders 26:21. Die conversion misslingt ihnen.

Zeit? Noch 1 Minute 44 Sekunden auf der Uhr. Ohh sch....

Kick Off. Ah Tino hat das “all hands team” drinnen – rechnet also mit einem onside kick.

Die Invaders kicken normal. Tackeln den Returner an der 26 yd line der Dragons.

Oje, 74 yds und noch 1 Minute 30 Sekunden.

Passing Offense der Dragons - man kommt in die Spielfeldhälfte der Invaders.

Zeit? Noch 30 Sekunden. Ohhh sch.

Robert fängt einen Pass. First down. Er quält sich auf. Christopher D. Ryan neben mir murmelt „ das schaut nicht gut aus, kann der überhaupt noch?“. „Der kann!“ kommt von irgendwo die Antwort. „Solang der nicht auseinanderfallt – kann der!“.

Die Dragons wollen gewinnen. Das ist ganz deutlich. Sie sind nun super konzentriert. Was für ein Spiel!

30 Sekunden. No huddle Offense. Pass für first down. Pass für ein paar yds. Arggs!! Tackle inbounds, time outs sind verbraucht.... No huddle Offense – Jason spiked den Ball. Uff . Zeit steht. Die Jungs behalten die Nerven.

Der Kampf um den Sieg wird zum Kampf um Sekunden – und alle nehmen es irgendwie symbolisch – wenn die Dragons das jetzt noch gewinnen – dann gewinnt auch der Michi Peters seinen Kampf!

Man kommt bis zur 8 yd Linie. Spike.

Zeit? – 2 Sekunden!!!!

OHHHH Gott. Das heisst 1 Spielzug, 2 Sekunden, 8 yds.

Down – set – hut!

Jason geht zurück – will passen – alle receiver zu – er sucht – findet niemanden – DA – ein D-Liner der Invaders kommt durch - hält genau auf Jason zu – Jason weicht nach rechts aus – da kommt noch ein Verteidiger der Invaders – Jason läuft zurück auf die linke Seite – weicht dem D-Liner von vorhin noch mal aus – UND – geht selber - klemmt sich den Ball unter den Arm und steuert nun direkt auf die Endzone zu – das haben jetzt auch die Invaders überissen – noch 7 – 6 –5- 4- yds – jetzt ist einer an Jason dran – 3 – 2 – Jason hechtet in die Endzone mit dem Ball im weit nach vorne ausgestreckten Arm geht er zu Boden – TOUCHDOWN!!!!!!!

Ein Aufschrei geht durch den Happydome, gerade noch ehrwürdige Stadt- und Gemeinderäte fallen Menschen die sie nicht näher kennen um den Hals, alles schreit und klatscht – Sieg!

Alle sind erleichtert – und alle sehen im Sieg der Dragons auch dass Michi Peters es schafft und gesund wird. Es ist ein ganz klares Zeichen!

Also, auf geht`s!

Der Berg über den Du zu klettern hast ist hoch. Aber Du wirst das schaffen.

Wir sind alle bei Dir.


Tino von Eckardt (geschrieben nachdem der Tod traurige Gewissheit war)

Our hearts will go on...

In unsere Gemeinschaft wurde ein Loch gerissen! Michi Peters ist nicht mehr da! Dennoch haben wir jetzt Gewißheit! Wir müssen nicht mehr bangen, hoffen uns gegenseitig Mut machen.Wir haben die brutale Gewißheit, daß es so kommen sollte - so kommen sollte, weil es das Beste für Michi ist.

Für die Bewältigung solcher Tatsachen gibt es keine Regeln, keine Vorschriften, deshalb breche ich hier mit der Regel, keinen Satz mit "Ich" zu beginnen:

Ich möchte - mit Euch zusammen - trauern! Trauern um einen jungen Menschen, den man einfach gern haben mußte, weil sein Wesen gar keine andere Möglichkeit zuließ.

Ich möchte - mit Euch zusammen - Michi ein weiteres Mal loben! Loben für die Freundschaft und Hilfsbereitschaft, die er jedem von uns entgegen brachte. Loben für die offene, voruteilsfreie Art, mit der Michi auf Menschen zuging.

Ich möchte seine Intelligenz und seine schnelle Auffassungsgabe loben. Ein wacher, wissbegieriger, ja fast neugireriger junger Mann, der einem Löcher in den Bauch fragen konnte, und eine ehrliche Antwort immer richtig zu werten wußte.

Getreu seinem Motto " Don't judge a book by it's cover!", war er nicht bereit, Menschen, Tatsachen oder Zusammenhänge einfach so hinzunehmen, ohne sich selbst, auf welchem Weg auch immer, ein eigenes Bild zu machen.

Diese Gabe machte ihn auch zu einem hervorragenden Spieler und Trainer, dessen Verlust noch garnicht abzusehen ist.

Ich möchte - mit Euch zusammen - Michi ein weiteres Mal Respekt und Anerkennung zollen lassen! Respekt und Anerkennung für die Lebenseinstellung und die Einstellung zu seinem Sport, die ihn zu einen so wichtigen Bestandteil dieser Dragons-Gemeinde gemacht haben. Ich möchte seinen Ehrgeiz anerkennen, der ihn zum Nationalspieler gemacht hat, das höchste Gut, was ein Sportler erreichen kann.

Ich möchte seinen Kampfgeist respektieren, der es ihm ermöglichte, die schweren Rückenbeschwerden im Winter zu überwinden, und als Leistungsträger in unsere Mitte zurück zu kommen.

Ich möchte - mit Euch zusammen - uns alle trösten! Trösten mit der Tatsache, daß Michi, wenn er wieder unter uns wäre, seinen eigenen hohen Ansprüchen an das Leben und sich selbst nicht hätte gerecht werden können, weil ihm die Krankheit dazu keine Chance gelassen hätte.

Ich möchte - mit Euch zusammen - Michi ein weiteres Mal beglückwünschen! Beglückwünschen für seine manchmal an Dickköpfigkeit grenzende Sturheit, die es für uns alle zu Herausforderung machte, ihn zu überzeugen.

Ich möchte - mit Euch zusammen - Michi ein weiteres Mal hochleben lassen. Hoch leben für die Tatsache, daß er sich selbst nie wichtig nahm! Eine Eigenschaft, die viele von uns sicherlich gerne hätten...

Ich möchte mich - mit Euch zusammen - ein weiteres Mal bei Michi bedanken. Bedanken für die Unterstüzung, die uns allen gewährt hat, und ohne die z.B. mein Einstieg bei den Dragons sicherlich viel schwerer geworden wäre. Er hat es mir leicht gemacht!

Es fällt mir unendlich schwer, mich von einem "MEINER JUNGS" zu verabschieden. Einem Jungen, den ich gelobt, getadelt, motiviert, beschimpft, provoziert und segiert habe, um sein Bestes aus ihm herauszukitzeln. Dabei war er sowieso immer bereit das zu geben.

Ich möchte - mit Euch zusammen - diesen fürchterlichen Schmerz verarbeiten! Verarbeiten, damit es danach weitergeht, denn nichts Anderes hätte Michi gewollt, als daß der Sport und das Team, dem er sein Leben gewidmet hatte, erfolgreich weiter betrieben wird. wir

Ich möchte - mit Euch zusammen - der Familie Peters beistehen, und sie wissen lassen, daß für Sie, in unserer Mitte, immer ein Platz sein wird, wenn es gilt Kraft und Stärke zu gewinnen, und damit vielleicht ein bißchen Trost.

Das Team hat sich letzten Samstag in Klosterneuburg entschieden, das Match zu Ende zu spielen. "FÜR MICHI!" Dieser Begriff "FÜR MICHI!" wird in Zukunft noch eine viel größere Bedeutung haben, denn wir alle werden uns nach Leibeskräften bemühen, es Michi recht zu machen, von dem wir wissen, daß er das irgendwo sieht und hört.

Der tragische Verlust von Michi wird uns, davon bin ich felsenfest überzeugt, nur noch stärker machen!

Michi, es war mir eine Ehre, Dich coachen zu dürfen!

Auch wenn Du immer bei uns sein wirst, das Loch d bleiben...

Dein Headcoach
ino von Eckardt
ien, am 06.07.2002


 

Seit 2002 wird das Jersey mit der Nummer 4, der Nummer von Michi Peters, bei den Dragons nicht mehr vergeben und jährlich der Michi Peters Day für den Dragons Nachwuchs veranstaltet.

More in this category: Social Media Contacts »