Die Danube Dragons mussten sich am vergangenen Samstag im AFL-Semifinale in Innsbruck den Swarco Raiders knapp geschlagen geben. Die Tiroler hatten in einem unglaublichen Shootout schlussendlich den längeren Atem und konnten sich mit 49:43 durchsetzen. Die Saison der Danube Dragons ist somit leider beendet – die Swarco Raiders treffen am 27. Juli im Austrian Bowl XXXV auf die Dacia Vikings.

Spielverlauf

Dragons RB #3 Byron Rhone
Dragons RB #3 Byron Rhone | © Stefan Wilfinger

Die Dragons gingen als großer Underdog in diese Begegnung und hatten nichts zu verlieren. Schließlich rechnete ganz Österreich mit einem deutlichen Sieg der Raiders, dem amtierenden Meister und ungeschlagenen #1 Seed.
Die Offense der Donaudrachen scheint davon allerdings nicht sonderlich beeindruckt zu sein. Mit dem ersten Ballbesitz marschieren die Wiener konstant über das Feld: erst einige starke Runs von RB Byron Rhone über insgesamt 18 Yards, ehe WR Philipp Haun und Felix Reisacher mit Catches den Ball bis in die Red Zone bewegen. Dort macht die Raiders Defense allerdings dicht und erzwingt einen Field-Goal-Versuch. WR/K Reinhard Knaus kann diesen souverän verwandeln und sorgt für die erste Führung der Dragons – 0:3. Die Raiders Offense kommt sehr Pass-heavy aufs Feld und kann den Ball ebenfalls gut bewegen. Pässe von QB Sean Shelton auf WR Fabian Abfalter und Adrian Platzgummer befördern die Tiroler bis kurz vor die Endzone. Die letzten Yards überbrückt Shelton durch die – bei den Raiders fast schon berühmt-berüchtigte – Read-Option selbst und sorgt für den ersten Touchdown des Tages. Nach erfolgreichem PAT steht es 7:3. Auch im zweiten Drive funktioniert die Dragons Offense hervorragend: Pässe auf Haun und TE/WR Lukas Gold über 19 und 24 Yards, und schon stehen die Dragons kurz vor der Tiroler Goalline. QB Chad Jeffries findet dort über einen Play-Action Pass Byron Rhone in der Endzone und sorgt für die erneute Führung der Gäste.

Dragons QB #12 Chad Jeffries, beschutzt von seinem RT #55 Mike Janda
Dragons QB #12 Chad Jeffries, beschützt von seinem RT #55 Mike Janda | © Stefan Wilfinger

Die Antwort der Hausherren lässt allerdings nicht lange auf sich warten: erst retourniert DB Darius Robinson den darauffolgenden Kick-off bis an die gegnerische 20-Yard-Line. Drei Plays später hechtet Shelton aus 3 Yards Entfernung – erneut ist es das Read-Option-Play – in die Endzone und stellt auf 14:10. Bis zu diesem Zeitpunkt scheinen beide Defensivreihen keine Antwort auf die high-powered Offense des Gegners zu finden. Dies sollte sich im darauffolgenden Drive jedoch ausnahmsweise ändern. Nach einer Illegal-Procedure-Strafe müssen die Dragons erstmals punten und geben den Raiders die Chance, ihre Führung auszubauen. Diese lassen sich nicht zweimal bitten und erhöhen durch einen 28-Yard-Touchdown-Catch von Abfalter auf 21:10. Erstmals sind die Tiroler mit zwei Scores in Front und setzen die Dragons stark unter Druck. Die Offense der Wiener kann mit sieben Minuten auf der Uhr jedoch zu einem methodischen Drive ansetzen und mit nur 29 verbleibenden Sekunden auf 21:17 verkürzen: Die Vorarbeit leisten wiedereinmal Haun und Gold, ehe Rhone aus zwei Yards Entfernung vollendet und die Dragons mit einem knappen Rückstand in die Kabine gehen lässt.

Dragons TE/WR Lukas Gold war für die Raiders Defense nicht aufzuhalten
Dragons TE/WR Lukas Gold war für die Raiders Defense nicht aufzuhalten | © Stefan Wilfinger

Zu Beginn von Hälfte zwei können die Dragons durch einen perfekt exekutierten Onside-Kick von Reinhard Knaus und einer Recovery durch LB Thomas Meznik die Raiders überraschen. Der darauffolgende Ballbesitz der Dragons Offense führt allerdings zu keinen Punkten. Die Raiders Defense hält bei 4th & 1 dicht und die Tiroler übernehmen in der Nähe der Mittellinie das Ballrecht. Drei Plays später sollte sich diese verpasste Möglichkeit der Dragons rächen: Shelton erkennt ein Offside der Dragons D-Line und nutzt das Free-Play aus, um RB Sandro Platzgummer aus 59 Yards zum Touchdown zu bedienen. Nach dem erfolgreichen PAT liegen die Raiders erneut mit 11 Punkten voran. Die Antwort der Dragons liegt wie so oft an diesem Tag in ihrem ausgezeichneten Passgame: erst ein kurzer Pass auf WR Clemens Hareter zum neuen 1st Down, ehe Gold mit Catches über 21 und 25 Yards über das halbe Feld marschiert und sein Team bis an die Goalline bewegt. Dort ist es erneut Byron Rhone, der mit seinem dritten Touchdown den Rückstand wiederum auf vier Punkte verkürzt – 28:24. In dieser Art sollte die zweite Halbzeit auch weitergehen: der Vorsprung der Raiders wechselt immer wieder zwischen vier und elf Punkten und keine der beiden Defensivreihen vermag den Gegner zu stoppen. Der darauffolgende Drive der Tiroler beginnt nach einem guten KO-Return durch DB Vincent Müller an der Dragons 23-Yard-Line. Die Special Teams der Raiders waren an diesem Nachmittag hervorragend und schlussendlich für den Sieg mitverantwortlich. Nach einer erfolgreichen Conversion im 4th and 1 – abermals durch die Read-Option – kann Sandro Platzgummer aus 12 Yards seinen Weg in die Endzone schlängeln und den alten 11-Punkte-Vorsprung wiederherstellen. Dieser sollte jedoch nicht lange halten: drei Plays und 78 Yards später können nämlich wiederum die Gäste anschreiben. Erst eine 16-Yard-Completion auf Felix Reisacher, dann ein sensationeller 62-Yard Catch & Run zum Touchdown durch Lukas Gold, der an diesem Nachmittag nicht zu stoppen ist und regelmäßig der Raiders Defense entwischt – 35:31.

Raiders RB #7 Sandro Platzgummer hat den Unterschied ausgemacht
Raiders RB #7 Sandro Platzgummer hat schlussendlich den Unterschied ausgemacht | © Stefan Wilfinger

Zu Beginn des vierten Viertels gelingt der Dragons Verteidigung das, was bis dahin als schier unmöglich erschien: Thomas Meznik kann im 4th & 3 den entscheidenden Tackle setzen und die Raiders Offense stoppen, was den Wienern mit gut zehn Minuten auf der Uhr die Chance gibt, abermals die Führung zu übernehmen. Nach einem ersten First Down durch Rhone geraten die Dragons allerdings in eine 3rd & 11 Situation. Diese kann nicht verwertet werden und die Dragons müssen sich widerwillig – in dem Wissen, dass dies die womöglich letzte derartige Chance war – vom Ballrecht trennen. Die Strafe folgt erwartungsgemäß auf den Fuß: ein Play und 72 Yards später steht Sandro Platzgummer nach einem unglaublichen Run und seinem dritten Touchdown in der Endzone und erhöht die Raiders-Führung auf 42:31. Der Two-Score-Deficit sowie die schwindende Zeit bringen die Dragons Offense erneut unter Druck. Nach Vorarbeit von Jeffries und Reisacher kann Philipp Haun aus 11 Yards in die Endzone finden und die Dragons im Spiel halten. Der Versuch, durch eine Two-Point-Conversion auf drei Punkte zu verkürzen, gelingt allerdings nicht und es verbleibt beim Spielstand von 42:37. Der darauffolgende Onside-Kick ist erfolglos und die Raiders Offense bekommt mit fünf verbleibenden Minuten den Ball – und bleibt weiterhin erbarmungslos: drei Plays später findet RB Tobias Bonatti aus 17 Yards in die Endzone und stellt den Two-Score-Lead wieder her – 49:37. Bei schwindender Zeit bäumen sich die Donaufelder ein letztes Mal auf, marschieren durch Catches von Reisacher und Gold über das Feld und vollenden aus 10 Yards Entfernung durch Reinhard Knaus. Mit 54 Sekunden auf der Uhr und einem Score von 49:43 benötigen die Dragons einen erfolgreichen Onside-Kick, um ihrer Offense eine letzte Chance zu geben. Der Kick kann allerdings von Raiders WR Nico Winterle geborgen werden und die Raiders können abknien.

Résumé

Die Danube Dragons verpassen nach einem unglaublich spannenden Semifinale knapp den Einzug in den Austrian Bowl und müssen sich einem routiniert auftretenden Raiders-Team geschlagen geben. Die Wiener hatten sowohl nach dem erfolgreichen Onside-Kick zu Beginn der zweiten Halbzeit, sowie nach dem Defense-Stopp im vierten Viertel die Chance, die Führung zu übernehmen und womöglich zu gewinnen. Schlussendlich hat es leider knapp nicht gereicht. Die Dragons können dennoch erhobenen Hauptes in die Sommerpause gehen und auf eine äußerst erfolgreiche Saison zurückblicken. Die Vorbereitungen für 2020 haben bereits begonnen und mittlerwile sollte ganz Football-Österreich wissen, dass in Zukunft mit den Danube Dragons zu rechnen ist.

Dragons HC Stefan Pokorny
Dragons HC Stefan Pokorny | © Stefan Wilfinger

Stimmen zum Spiel:
„Die Raiders sind eben einfach eines der besten Teams Europas. Man hat gesehen, dass wir immer stärker werden und noch viel Gutes vor uns liegt. Wir waren knapp dran, aber schlussendlich hat es leider doch nicht gereicht. Ich bin stolz auf mein Team, wir haben Großartiges geleistet.“ – Dragons Head Coach Stefan Pokorny.

Scores: (7:3/14:14/14:14/14:12)
Danube Dragons: Rhone TD (3); Gold TD; Haun TD; Knaus TD, FG, PAT (4)

Autor: Felix Reisacher